Pflegekonzept

Pflegekonzept der Gemeinnützigen Seniorendienste „Stadt Hilden“ GmbH

1. Das Pflegemodell
Wir pflegen unsere Bewohner nach dem Pflegemodell von Monika Krohwinkel.
Hierbei handelt es sich um ein so genanntes Bedürfnismodell. Der ganzheitliche
Ansatz berücksichtigt sowohl physische als auch geistig-seelische, soziale und
kulturelle Bedürfnisse eines Menschen. Pflege wird als Problemlösungsprozess
gesehen, wobei nicht die Defizite eines Menschen im Vordergrund stehen. Vielmehr
geht es darum, die Selbständigkeit, das Wohlbefinden und die Lebensqualität des
pflegebedürftigen Menschen in seinen Aktivitäten und existentiellen Erfahrungen des
Lebens zu erhalten und zu fördern. Anhand des AEDL Strukturmodells erheben wir
die Pflegeanamnese und haben die Möglichkeit, Fähigkeiten und Probleme unserer
Bewohner individuell einzuschätzen und unsere Pflege sinnvoll zu planen.

Die AEDL (Aktivitäten und existentiellen Erfahrungen des Lebens) lauten:

  • kommunizieren können
  • sich bewegen können
  • vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten können
  • sich pflegen können
  • essen und trinken können
  • ausscheiden können
  • sich kleiden können
  • ruhen und schlafen können
  • sich beschäftigen können
  • sich als Mann oder Frau fühlen können
  • für eine sichere und fördernde Umgebung sorgen können
  • soziale Bereiche des Lebens sichern können
  • mit den existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen können

An der Stelle, wo Einschränkungen in diesen Aktivitäten bestehen, fördern wir die
Fähigkeiten unserer Bewohner und unterstützen sie durch unsere Hilfestellung.

1.1 Das Pflegesystem im Wohn- und Pflegezentrum
Mit folgender Zielsetzung orientiert sich unser Pflegesystem am System der
Bezugspflege:

1. Aufbau und Pflege eines Vertrauensverhältnisses zwischen den verantwortlich
Pflegenden und unseren Bewohnern, deren Angehörigen bzw. Betreuern
2. Möglichst hohe Kontinuität bei der direkten Versorgung unserer Bewohner
3. Sicherstellung eines individuellen, ressourcenorientierten Pflegeprozesses für
jeden Bewohner
4. Bewohnerorientierte Gestaltung unserer Arbeitsabläufe
5. Zufriedenheit und Wohlbefinden unserer Bewohner

Die Bewohner eines Wohnbereiches werden in Bezugspflegegruppen eingeteilt.
Auswahlkriterien für diese Gruppen sind unter anderem die Pflegeintensität und die
individuellen Bedürfnisse unserer Bewohner.
Die Pflegefachkräfte und die Pflegeassistenten verrichten entsprechend ihrer
Qualifikation ihre Aufgaben rund um die Pflege und die Betreuung der Bewohner.
Die Pflegefachkräfte steuern die Pflegeprozesse der Bewohner im Wohnbereich und
aktualisieren die Pflegedokumentation. Dafür pflegen sie kontinuierlich den Kontakt
mit den Angehörigen bzw. Betreuern.
Die Pflegeassistenten sind den Bezugspflegegruppen zugeordnet. Ihre Aufgaben
liegen in der Durchführung der Grundpflege entsprechend der geplanten
Pflegemaßnahmen, in der Beobachtung der Bewohner und in der Weitergabe von
Informationen an die Pflegefachkräfte. Durch Befähigung erlangen ausgewählte
Pflegeassistenten Kompetenzen, die im Bereich der Behandlungspflege liegen, zum
Beispiel die Ermittlung von Vitalwerten.

1.2 Das Pflegesystem im Seniorenzentrum
Die Durchführung einer bewohnerorientierten Pflege und Versorgung setzt ein
Organisationssystem voraus, in dem auf die individuellen Bedürfnisse der Bewohner
eingegangen werden kann. In unseren Einrichtungen steht der Bewohner im
Mittelpunkt der Versorgung und bestimmt somit die ablaufenden Prozesse.
Aufgrund dessen führen wir die pflegerische Versorgung unserer Bewohner auf der
Basis eines Organisationsmodells durch, welches angelehnt ist an das „Primary
Nursing“-System. (siehe Konzept zur Umsetzung des Organisationsmodells
angelehnt an das Primary Nursing-System)

2. Der Pflegeprozess
Der Pflegeprozess beginnt beim Einzug eines Bewohners und endet mit seinem Tod
bzw. mit dem Auszug aus unseren Einrichtungen. Ab dem Einzug läuft der
Pflegeprozess in sechs Phasen ab, der als kontinuierlicher Verbesserungsprozess
(Qualitätsregelkreis bzw. PDCA-Zyklus) immer wieder von Neuem beginnt:
1. Erhebung der Pflegeanamnese anhand der AEDL
2. Erkennen von Fähigkeiten und Problemen
3. Festlegen von realistischen Pflegezielen – vor allem im Hinblick auf das
Erhalten, Erlangen und Wiedererlangen von Fähigkeiten und Selbständigkeit
4. Planung der Pflegemaßnahmen unter Einbeziehung biografischer
Informationen, auf der Grundlage von vereinbarten Pflegestandards und
Hygienestandards
und unter Berücksichtigung der individuellen Vorlieben und Gewohnheiten
5. Durchführung der individuellen Pflege auf der Grundlage von vereinbarten
Pflegestandards und Hygienestandards
6. Beurteilung der Wirkung der Pflege und evtl. Neuanpassung der
Pflegemaßnahmen im Sinne des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses

2.1. Pflegedokumentation
Unsere Pflegedokumentation erstellen wir mit der aktuellen Software-Version der
Firma Sigma. Der individuelle Pflegeprozess eines Bewohners ist ersichtlich und
kann nachvollzogen werden. Es ist sichergestellt, dass Daten nicht manipuliert
werden können.

2.2. Biografie
(s. Verfahrensanweisung „Erstellen und Fortschreiben von Biografien“)
Informationen aus der Lebensgeschichte unserer Bewohner sind die Grundlage
unserer Pflegeplanung. Die Mitarbeiter der Bewohnerbetreuung führen am
Einzugstag mit dem Bewohner und ggf. seinen Angehörigen/ Betreuer ein Gespräch,
in dem erste biografische Daten erhoben werden. In den darauffolgenden Wochen
führt der zuständige Mitarbeiter der Bewohnerbetreuung oder des Sozialen Dienstes
ein ausführliches Biografiegespräch mit dem Bewohner, oder ggf. gemeinsam mit
Angehörigen bzw. Betreuern oder anderen Bezugspersonen, die Auskunft geben
können. Die verantwortliche Pflegefachkraft erhält von dem Mitarbeiter der
Bewohnerbetreuung/Sozialen Dienst die Informationen zur Biografie des Bewohners.
Diese Informationen fließen in die individuelle Pflegeplanung des Bewohners ein.
Ziel ist es, auf individuelle Bedürfnisse und/oder Besonderheiten einzugehen und
umzusetzen.
Bei demenzkranken Bewohnern, bei denen eine Rückfindungsproblematik besteht,
wird von einem Mitarbeiter der Bewohnerbetreuung am Tag des Einzugs ein Foto
erstellt. (s. Verfahrensanweisung „Umgang bei vermissten Bewohnern“)
Fotos weglaufgefährdeter Bewohner hängen in den Dienstzimmern aller
Wohnbereiche, sowie im Café aus.
Das Einleben und die Integration der Bewohner in ihre neue Lebenssituation und der
Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zu den Pflegekräften und Mitarbeitern dauern
oftmals mehrere Wochen bis Jahre. Deshalb fließen nie alle biografischen
Informationen zur Lebensgeschichte und zur eigenen Person des Bewohners zu
Beginn des Lebens in unseren Einrichtungen ein. Demnach endet die Biografiearbeit
nicht, sondern ist ein fortlaufender Prozess. Die Integrationsphase wird nach 4 bis 6
Wochen nach Einzug systematisch ausgewertet. (s. Verfahrensanweisung
„Auswertung der Integrationsphase“)

2.3 Pflegeplanung
Die individuelle Pflegeplanung eines Bewohners wird in Zusammenarbeit mit der
Abteilung Bewohnerbetreuung erarbeitet. Außerdem werden die Angehörigen und
andere Betreuungspersonen in die Erstellung einbezogen. Innerhalb der ersten 48
Stunden nach Einzug eines Bewohners wird eine vorläufige individuelle
Pflegeplanung geschrieben. Der Schwerpunkt liegt auf nicht aufschiebbaren
Pflegeproblemen, wie zum Beispiel Dekubitus- oder Sturzgefahr. Auch
Pflegeprobleme, die auf den ersten Blick erkennbar sind, werden zielgerichtet
Seite 4 von 5 Pflegekonzept_SD_V2.doc bearbeitet. Wichtige Informationen,
wie beispielsweise medizinische Diagnosen undder aktuelle Medikamentenplan werden aufgenommen.
Wenn Bewohner und Pflegekräfte sich näher kennengelernt haben, und die biografischen Informationen
vorliegen, wird die Pflegeplanung Zug um Zug, in Zusammenarbeit mit den
Angehörigen, angepasst und vervollständigt. Der Informationsaustausch mit der
Bewohnerbetreuung findet in Besprechungen statt.
Die Pflegeplanung wird von der zuständigen Pflegefachkraft geschrieben und
regelmäßig, im Rahmen der dreimonatigen Evaluationen, auf Aktualität geprüft.
Kommt es zu Veränderungen in der Pflegesituation des Bewohners, erfolgt die
Aktualisierung der Pflegeplanung umgehend. Das AEDL 9 wird von einer Fachkraft
der Bewohnerbetreuung bearbeitet und von einer Pflegefachkraft überprüft.
Kehrt ein Bewohner aus dem Krankenhaus zurück, werden die wichtigsten Probleme
sofort bearbeitet. Bei Veränderung des Zustandes des Bewohners wird die komplette
Pflegeplanung innerhalb von 48 Stunden aktualisiert.

2.4 Pflegestandards und Konzepte
Z
ur Sicherstellung und Optimierung der Pflegequalität regeln wir den Umgang mit
speziellen Pflegeproblemen, wie Dekubitus- oder Sturzgefährdung durch Standards,
Verfahren und Konzepte, basierend auf aktuellen pflegewissenschaftlichen
Erkenntnissen.

2.5 Hygienestandards bzw. Hygienekonzept
Unser umfangreiches Hygienekonzept regelt alle Verfahren, die zur
Infektionsprävention eingehalten werden müssen. Die Inhalte sind mit dem Gesundheitsamt des Kreises
Mettmann abgestimmt.

2.6 Verfahrensanweisungen
Verfahrensanweisungen werden dann erarbeitet, wenn sich aus der Praxis die
Notwendigkeit ergibt. Sie dienen der Prozessoptimierung und basieren auf
gesetzlichen Vorgaben und pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen.
2.7 Pflegevisite
Die Pflegevisite ist ein Element unseres Pflegecontrollingsystems und Vorgabe der
Leistungs- und Qualitätsvereinbarungen. Zur Überprüfung der Prozess- und
Ergebnisqualität in der pflegerischen Versorgung unserer Bewohner führen wir
regelmäßige Pflegevisiten durch. Grundsätze, Ziele, Durchführung und
Dokumentation sind im Konzept und der Verfahrensanweisung „Pflegevisite“
geregelt.

3. Das Kommunikationssystem
Zur Sicherstellung des Informationsaustauschs sind alle regelmäßig stattfindenden
Besprechungen in der Besprechungsmatrix geregelt.

4. Information und Medien
Unser Pflegedokumentationssystem erfolgt computergestützt. Jeder Wohnbereich
verfügt über zwei Computerarbeitsplätze.
Der innerbetriebliche Informationsaustausch ist weitgehend über das Intranet und
das Telefon geregelt. Ausgewählte Mitarbeiter verfügen über einen
Internetanschluss.
Für Papierschriftstücke werden bei Einzug eines Bewohners zwei Sammelakten
angelegt. Ein Exemplar verbleibt in der Bewohnerverwaltung, das zweite Exemplar
wird auf der Wohnbereichsebene geführt. Schriftstücke wie z.B.
Krankenhausverlegungsberichte oder amtliche Beschlüsse werden dort abgeheftet.
Allen Mitarbeitern stehen die Pflegefachzeitschriften „Altenheim“, „Care konkret“,
„Palliativ Care“ und „Altenpflege“ zur Verfügung, die nach einem verbindlichen
Verteilerplan unter den Mitarbeitern weitergereicht werden.
Die monatlich erscheinenden Hauszeitschriften sind auch in unserer Umgebung
verbreitet. Hier finden interessierte Leser die aktuellen Veranstaltungstermine und
alle Informationen rund um unsere Einrichtungen.

5. Fortbildung
Die Fortbildungsplanung erfolgt jährlich prospektiv. Das Angebot richtet sich nach
dem individuellen Bedarf und gesetzlichen Vorgaben, der u.a. im Rahmen unseres
Pflegecontrollingsystems erhoben wird. In die Planung werden alle Mitarbeiter
einbezogen. (siehe Konzept Fortbildungsplanung)

Erste Freigabe: 22.11.2005 Stand: 18.09.2014 Version 2

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